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Postmoderne Teams

Postmoderne Teamentwicklung, Therapie und Beratung zeichnet sich aus durch die Anerkennung der Vielfalt von Rationalitätstypen in sozialen Systemen.

Unser Alleinstellungsmerkmal  ist die Umsetzung einer erkenntnistheoretischen Haltung, die Nichtwissen und Ambivalenz nicht nur einfach aushält, sondern aufgabenbezogen und zielorientiert utilisiert. Postmodernes Arbeiten ist charakterisierbar als Haltung und Gemütszustand der Relativität, die das Uneindeutige, das Vorläufige, Provisorische und Hypothetische der heutigen Zeit nicht ausklammert, sondern anerkennt und wertschätzt.

Die Postmoderne ist, weil sie eine Reflexion der Moderne ist, eine Chance für uns, um die inhärente Struktur der Moderne und ihrer Organisationen zu erkennen. Ebenso ist sie eine Chance, die Unmöglichkeit des Anliegens der Moderne, eine eindeutige Ordnung zu schaffen, zu akzeptieren, ja zu nutzen als Chance zu Dialog, Vernetzung und Kollaboration. Postmoderne Teamentwicklung betont den wertschätzenden Dialog auf gleicher Augenhöhe mit allen Beteiligten über passende Kommunikationsabläufe und Rollendefinitionen in ihrer sozialen Verfasstheit.

 

Die zentrale These des Postmodernen Arbeitens (Prof. Dr. Heiko Kleve) ist, dass in Gesellschaft, Organisationen und Lebensführung die Ambivalenzen, Widersprüche und sozial- und psychisch konflikthafte Situationen zunehmen. Diese Tatsachen gilt es nicht einfach nur stoisch auszuhalten, sondern durch Reflektion, Dialog und mit Kreativität produktiv zu nutzen, um Ausgegrenztes wieder einzublenden:

"Postmodern social scientists support a re-focusing on what has been taken for granted, what has been neglected, regions of resistance, the forgotten, the irrational, the insignificant, the repressed, the borderline, the classical, the sacred, the traditional, the eccentric, the sublimated, the subjugated, the rejected, the nonessential, the marginal, the peripheral, the excluded, the tenuous, the silenced, the accidental, the dispersed, the disqualified, the deferred, the disjointed—all that which ‘the modern age has never cared to understand in any particular detail, with any sort of specificity’"(Rosenau 1992: 8).

In der »realen« Herstellung von System-Umwelt-Verhältnissen, d.h. im kommunikativen Alltag mischen sich folgende Verarbeitungs- und Umgangsweisen von Sinnsystemen mit Ambivalenz zu nicht ohne Weiteres auflösbaren Konstellationen:
 
  • -das Neutralisieren bzw. Invisibilisieren von Ambivalenz, z.B. durch Kausalitätsvorstellungen (etwa Reiz-Reaktions-Modell), Theorien strikter Kopplungen, Dogmatismus, Aktionismus, Gewalt, Hierarchie, als Prozessieren von Eindeutigkeiten  und Identitäten im Alltag, und andere asymmetrisierende Formen von Negations- und Reflexionsblockaden, die Kontingenz nicht durchlassen, damit das Sinnsystem anschlussfähig bleibt, formalisierbar als »E bedeutet X«,
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  • -das kommunikative Aushalten und Dosieren von Ambivalenz, z.B. durch das Hinnehmen von Unterschieden und Bewältigen von Diskrepanzen (kontrollierbare Differenzerfahrungen bei Lebensweisen und -entwürfen), formalisierbar als »E bedeutet X oder Y«,
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  • -das Akzeptieren und Dulden von Ambivalenz, z.B. durch das Billigen von Unterschieden, Differenzen, Wertekonflikten, durch eine erhöhte Hinnahmebereitschaft von Unlogiken und Widersprüchen, formalisierbar als »E kann in diesem Kontext X oder Y bedeuten«,
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  • -das Entfalten und Utilisieren von Ambivalenzen als das Nutzen von Unterschieden und den pragmatischen Umgang mit Widersprüchen in unterschiedlichen Kommunikationen zur – sich an Rückmeldungen orientierenden – Selbstkorrektur durch »Seitenwechsel«, damit auf Unsicherheit auch durch Erhöhung des Risikos reagiert werden kann, formalisierbar als »E könnte X oder Y in n Kontexten bedeuten«,
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  • -das Aufblenden bzw. Sichtbarmachen von Ambivalenzen durch Blockieren weiterer Beobachtungen, Zuschreibungen oder Entscheidungen aufgrund aktuell nicht auflösbarer Irritationen (wie in Krisen, Konflikten, bei Paradoxien, beobachtbar als Adressier- oder Entscheidungsunfähigkeit, formalisierbar als »E bedeutet X und Y«.
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Literatur:

Rosenau, Pauline Marie (1992): Post-Modernism and the Social Sciences. Insights, Inroads and Intrusions. Princeton, NJ: Princeton Univ. Press, p. 8.

Wirth, Jan V. (2013): Lebensführung als Systemproblem - Entwurf einer Theorie der Lebensführung. Pädagogische Hochschule Freiburg, Kunzenweg 21, 79117 Freiburg-Littenweiler. Diss.