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Was sind Ihre Kompetenzen?

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Ihre Kompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft.

Kompetenzen sind subjekttheoretisch „erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Wissenselemente, die einem Subjekt bei der Gestaltung von offenen Situationen und der Lösung von unbestimmten Problemen Handlungsfähigkeit ermöglichen, so dass es individuellen, sozialen und/oder gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden vermag“ (Weinert 2002: 27ff.).1

Diese Definition scheint aber unbefriedigend, da es ihr vornehmlich um das Bedienen von Erwartungen, d.h. um Fremdanpassung, geht. Psychische und soziale Systeme passen sich jedoch nur an sich selbst an, weil sie keinen unvermittelten Zugang zu einer "Wirklichkeit an sich" haben, sondern sich ihre Wirklichkeit selbst konstruieren. Kompetenzen können auch aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive analysiert, untersucht und reflektiert werden.2 Dies könnte neue Handlungsmöglichkeiten in Beratungsprozessen eröffnen, indem Perspektiven erweitert, pädagogische Grundhaltungen verändert und Lehren, Lernen und Beraten neu konstruiert werden können (vgl. Bild).3
 
Blickrichtung Individualität: Aus der Perspektive des systemischen Konstruktivismus kann die Entwicklung personaler Kompetenzen als Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten in Richtung Personenorientierung des Lehrens, Lernens, des Wissens- und des Kompetenzerwerbs, durch individuelle Begleitung von Lernprozessen und eine stärkere Ressourcenorientierung in Beratungskontexten verstanden werden.
 
Blickrichtung Vielfalt: Diese Orientierungsrichtung bezieht sich auf die Einführung von Unterschieden (Komplexität) und die Perspektivenvielfalt und weist damit auf die Möglichkeiten hin Freiräume im Handeln zu eröffnen. Systemische Prozesse können zwischen einer Dynamik von Stabilität und Neukonstruktion gesehen werden, wogegen in Richtung Vielfalt die Neukonstruktion im Mittelpunkt der Betrachtung steht. 
 
Blickrichtung Beziehung: Vertreter der systemisch-konstruktivistischen Didaktik betonen die soziale Beteiligung für Konstruktionsprozesse. Es sind nicht mehr Individuen im Blickfeld der Betrachtung, sondern Kommunikationen, wobei Systeme die Elemente und die Relationen „erzeugen“, aus denen sie bestehen. Die Orientierung in Richtung Beziehung erfordert professionelle Beratung, einerseits der verantwortungsbewussten Beachtung des Individuums und andererseits die Beachtung der Dynamik der Beziehungen und sich erzeugenden Systeme. 
 
Blickrichtung Struktur: Handlungen im Feld der Beratung müssen brauchbar, passend und funktional sein. Das relativiert die Notwendigkeit einer "Wahrheit". Es geht also in dieser Orientierungsrichtung um die Brauchbarkeitsprüfung des Kompetenzerwerbs, also um eine pragmatische Perspektive, die auf systemischer Ebene versucht, Kompetenzen wahrzunehmen, zu strukturieren oder überhaupt eine kollektive Aushandlung zu ermöglichen. 
 

Weinert, Franz E. (2002): Leistungsmessungen in Schulen. Weinheim: Beltz.

Vgl. im Folgenden: Theuermann, Anneliese (2008): Kompetenzentwicklung in der Praxisbegleitung und Supervision. In: Hannes Krall, Wolfgang Jansche und Erika Mikula (Hg.): Supervision und Coaching. Praxisforschung und Beratung im Sozial- und Bildungsbereich. Wiesbaden: VS, S. 183–194.

3 Bild: Theuermann, A. (2008): Kompetenz als Konstruktion. Perspektiven zur Entwicklung konstruktiver Handlungskompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern. Alpen-Adria Universität, Dissertationsschrift, S. 193.