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Ambivalenz als Treibstoff jeder Veränderung

 

"Motivation" stellt sich immer aus einer sozial bzw. individuell beobachteten Diskrepanz her, nämlich der Ambivalenz von Wirklichkeit und Möglichkeit. 

"Es kann keine Unterscheidung geben ohne Motiv und es kann kein Motiv geben, wenn nicht Inhalte als unterschiedlich im Wert angesehen werden."1

Systemisch orientieren wir uns nicht zwangsläufig zuerst an der intrinsischen Motivation, sondern an der ablaufenden Kommunikation. Kommunikationen selbst haben keine "Motive" oder "Absichten" im herkömmlich bekannten subjekttheoretischen bzw. humanistischen Sinne. Kommunikationen verfügen jedoch über ein Movens, weil Unterscheidungen sinnhaft nur als Abgrenzung und Vergleich zweier Werte, sprich: als Ambivalenz (von Wirklichkeit und Möglichkeit), bearbeitbar sind. Diese Differenz wird bewertet. Ein "subjekt"-theoretischer Begriff des "Wertens" wäre hier fehl am Platze, weil er "Werten" zu sehr an ein bio-psychisches "Fühlen" bindet und somit zugleich insinuiert, dass nur Menschen, aber nicht soziale Systeme werten, dabei ist das Gegenteil der Fall.

Ambivalenz!

Familien, aber natürlich auch Organisationen etwa vergleichen in ihren Selbstbeschreibungen und Programmen permanent Differenzen und werten, indem sie – je nach Ergebnis des Vergleichs – je unterschiedlich weiterprozessieren. Der Akt des Wertens besteht offenkundig aus dem Vergleichen zweier Etwasse und dem Präferieren des einen, aber nicht des anderen Etwas. Sinnsysteme treffen Unterscheidungen, die immer auch als Entscheidungen beobachtet werden können; und – sie haben keine andere Wahl – entfalten damit gleichzeitig eine Asymmetrie, die informiert z.B. über das System, dessen Umwelt und die Möglichkeiten, beides funktional auszubalancieren.

1 Spencer-Brown, George (1969; 1999): Laws of Form. Gesetze der Form. 2. Aufl. Lübeck: Bohmeier, S. 1.