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Vor- und Nachteile des Eklektizismus verschiedener Arbeitsansätze

on 07 Februar, 2014
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Als Eklektizismus (vgl. Wikipedia) bezeichnet man Methoden, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Systeme (z. B. Stile, Philosophien) bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen. In den USA geben 40% der Beratungspsychologen an, eklektisch zu arbeiten (vgl. Nestmann 1997; z.n. Belardi 1999: 331). Aufgrund der negativen Konnotation des Eklektizismus an sich wird es eine höhere Dunkelziffer geben.

Ein eklektisches Vorgehen in Therapie, Beratung und Org.-Entwicklung entspräche postmodernen Ansätzen in der Praxis. Kommunikation ist nicht bloß vielfältig, sondern erstaunlich divergent und im ganzen - jedenfalls von einer Partei aus gesehen - unbeherrschbar. Das ist ein Desiderat und Charakteristikum auch postmodernen Denkens und Arbeitens. Man vermag die Elemente und Ereignisse von Gesprächen und Interaktionen nicht einer einzigen integralen Betrachtungsweise unterordnen oder in dieser zu versammeln. Es sind insbesondere die Adressaten, die  - teils ganz eingebunden, teils ganz autonom — jede geschlossene Sicht auf Gesprächs-Modelle und Beratungskonzepte immer wieder durchstoßen. Und sie vermögen dies so wirkungsvoll zu tun, weil sie als Kommunikationspartner innerhalb des Systems sowohl Identifikationspunkte anliefern wie sie auch Akteure des Prozesses zugleich sind.

Der zentrale entscheidende Vorteil des eklektischen, quasi hybriden Vorgehens ist offenkundig der, dass in situ äußerst kreativ und pragmatisch (Peirce) auf verschiedene Ereignisse und Situationen im Kommunikationsprozessen reagiert werden kann. Damit scheint man der Offenheit und Komplexität menschlichen Zusammenlebens und dem Sinnreichtum humaner Systeme therapeutisch und beraterisch am nächsten zu kommen. Mit dieser - jedenfalls theoretisch instruktiven - Problemlösekapazität ist ein Punkt benannt, der schwer überschätzt werden kann.

Der Nachteile einer solch genuin postmodernen Vorgehensweise gibt es einige. Erstens stellt sie höhere Anforderungen an Beratende und Therapierende. Zweitens lassen sich ihre Auswirkungen und Effekte auf Hilfeverläufe eher schwieriger erfassen als wenn Adressaten nach einer spezifischen Therapie- bzw. Beratungsmethode „behandelt“ werden. Drittens wird die Erwartungssicherheit der Kommunikation auf ein anderes, metakognitives, Niveau gehoben. Zu Beratende können nicht mit ad hoc vorhersagbaren Reaktionen seitens der Beratenden rechnen, sondern werden auf modellübergreifende, metakognitive Kompetenzen seitens der Beratenden verwiesen, etwa wie Wertschätzung der Autonomie und Respekt vor dem Leben etc.  Sie wirken im Hintergrund als Haltung, etwa der wertschätzenden Respektlosigkeit (gegenüber schädlichen Verhaltensweisen), und der aufgabebezogenen Blickrichtung auf Meta-Ziele (etwa das "passende" Leben).

Hier wird man/frau sich als qualifzierte Beraterin/Therapeutin entscheiden, Plausibilitäten identifizieren und eigene Bewertungen treffen müssen. Ausweis professionellen Handelns bleibt die Fähigkeit, die verwendeten Modelle und Ansätze benennen, anwenden und evaluieren zu können.

Literatur: Belardi, Nando (1999). Soziale Arbeit und Beratung. in: Chassé/von Wensierski (Hg.): Praxisfelder der Sozialen Arbeit– Eine Einführung. S. 327-340. München: Juventa.